Thailands Luftfahrtbranche verarbeitet Altspeiseöl zunehmend zu nachhaltigem Flugkraftstoff (Sustainable Aviation Fuel, SAF). Die thailändische Zivilluftfahrtbehörde (CAAT) sowie die Unternehmen GC und Bangchak treiben gemeinsam die Einführung saubererer Flugkraftstoffe und die Dekarbonisierung des Luftverkehrs voran.
Was früher nach dem Kochen entsorgt wurde, entwickelt sich heute zu einem wichtigen Bestandteil der nachhaltigen Luftfahrt in Thailand: Altspeiseöl aus Privathaushalten und der Gastronomie wird zunehmend in die entstehende Lieferkette für Sustainable Aviation Fuel integriert.
Diese Entwicklung erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Risiken für die Energiesicherheit sowie steigender Anforderungen an die Erfüllung internationaler Klimaverpflichtungen. Die Konflikte im Nahen Osten haben erneut verdeutlicht, wie anfällig die Luftfahrtbranche für Störungen der Kraftstoffversorgung bleibt. Die Preise für Flugtreibstoff liegen weiterhin deutlich über dem Vorkriegsniveau, während die Kraftstoffreserven in Teilen Europas zunehmend unter Druck geraten.
Diese Volatilität hat das Interesse an alternativen Kraftstoffen, insbesondere an Sustainable Aviation Fuel (SAF), weiter verstärkt. SAF wird aus erneuerbaren Rohstoffen hergestellt und kann aus unterschiedlichen Ausgangsstoffen produziert werden. Altspeiseöl und tierische Fette gelten dabei als besonders vielversprechende Rohstoffe, da ihre Fettmoleküle eine hohe Energiedichte aufweisen und sich zu hochwertigem Diesel sowie Flugkerosin für den Einsatz in der kommerziellen Luftfahrt weiterverarbeiten lassen.
Für die Luftfahrt ist SAF nicht nur eine umweltfreundlichere Alternative zu herkömmlichem Flugtreibstoff. Der Kraftstoff ermöglicht vielmehr die Wiederverwendung von Kohlenstoff, der bereits im atmosphärischen Kohlenstoffkreislauf zirkuliert, anstatt zusätzlichen fossilen Kohlenstoff aus unterirdischen Lagerstätten zu fördern.
Je nach eingesetztem Rohstoff und Herstellungsverfahren kann SAF die Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus um bis zu 80 Prozent gegenüber konventionellem fossilem Flugtreibstoff reduzieren. Gleichzeitig trägt SAF dazu bei, Altöle und Fette sinnvoll zu verwerten, die andernfalls auf Deponien entsorgt würden oder den Boden verunreinigen könnten.
Dank moderner Produktionstechnologien hat sich zudem der Leistungsunterschied zwischen SAF und herkömmlichem Flugtreibstoff erheblich verringert. Dadurch eignet sich SAF inzwischen für den Einsatz in großen Verkehrsflugzeugen, einschließlich Großraumflugzeugen wie der Boeing 777.
Thailand bereitet Luftfahrtsektor auf verstärkten SAF-Einsatz vor
Thailands Luftfahrtsektor hat damit begonnen, die Voraussetzungen für den verstärkten Einsatz von Sustainable Aviation Fuel (SAF) zu schaffen. Zu diesem Zweck unterzeichnete die thailändische Zivilluftfahrtbehörde (CAAT) am 17. November 2025 eine Absichtserklärung mit acht thailändischen Fluggesellschaften.
Zu den beteiligten Fluggesellschaften gehören Thai Airways International, Bangkok Airways, K-Mile Air, Nok Air, Thai AirAsia, Thai AirAsia X, Thai Lion Air und Thai VietJet. Ziel der Zusammenarbeit ist es, die CO₂-Emissionen des internationalen Luftverkehrs zu verringern und die Branche auf den Übergang zu saubereren Energielösungen vorzubereiten.
Im Rahmen der Vereinbarung bleibt die Verwendung von SAF freiwillig. Die Fluggesellschaften können ihre SAF-Anbieter sowie die Flughäfen für die Betankung frei wählen. Dadurch erhält die Branche die notwendige Flexibilität, während sich die SAF-Lieferkette weiterentwickelt.
In einer ersten Phase soll SAF ab 2026 einen Anteil von 0,5 bis 1 Prozent am gesamten Kraftstoffverbrauch auf internationalen Flugstrecken erreichen. Dieses Ziel soll in späteren Phasen überprüft und gegebenenfalls angehoben werden.
Wird dieses Ziel erreicht, könnten die Emissionen des internationalen Luftverkehrs Thailands im Jahr 2026 voraussichtlich um rund 60.000 Tonnen Kohlendioxidäquivalent reduziert werden.
Diese Emissionsminderung würde zugleich den Druck auf die Fluggesellschaften verringern, CORSIA Eligible Emissions Units (CEEUs) im Rahmen des Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation (CORSIA) zu erwerben. Das von der International Civil Aviation Organization (ICAO) geleitete System bildet den globalen Rahmen für das Emissionsmanagement im internationalen Luftverkehr.
GC verwandelt gebrauchtes Speiseöl in hochwertige Kraftstoffe
PTT Global Chemical (GC) hat sich als thailändischer Vorreiter bei der kommerziellen Produktion von Sustainable Aviation Fuel (SAF) positioniert. Grundlage dafür ist ein Bioraffinerie-Modell, das auf der Co-Processing-Technologie basiert.
Statt eine vollständig neue Anlage zu errichten, hat GC bestehende Raffinerieinfrastruktur modernisiert und angepasst, um gebrauchtes Speiseöl in emissionsärmere Kraftstoffe und biobasierte Rohstoffe umzuwandeln. Dieser Ansatz ermöglicht es dem Unternehmen, Investitionskosten zu senken, die Entwicklungszeit zu verkürzen und gleichzeitig einen Geschäftsbereich mit geringeren CO₂-Emissionen aufzubauen.
Nach Angaben von GC kann der Einsatz von SAF die CO₂-Emissionen im Vergleich zu herkömmlichem Flugkraftstoff um bis zu 85 Prozent reduzieren. Das Ausmaß der Einsparungen hängt vom Produktionsverfahren und der Bewertung des gesamten Lebenszyklus ab.
GC startet mit einer SAF-Produktionskapazität von 6 Millionen Litern pro Jahr und plant eine Erweiterung auf 24 Millionen Liter jährlich. Nach vollständiger Erweiterung soll das Projekt dazu beitragen, die CO₂-Emissionen um rund 60.000 Tonnen pro Jahr zu reduzieren.
Die Bioraffinerie von GC beschränkt sich jedoch nicht auf Flugkraftstoffe. Sie kann auch mehr als zehn Arten hochwertiger biobasierter Chemieprodukte und Biokunststoffe herstellen, darunter Bio-Propylen für Spielzeuge und Fahrzeugteile, Bio-Butadien für Reifen sowie Bio-PTA für PET-Kunststoffe. Diese Materialien weisen vergleichbare Eigenschaften wie fossilbasierte Materialien auf, verfügen jedoch über einen deutlich geringeren CO₂-Fußabdruck.
Pukpong Wungrattanasopon, Chief Operating Officer des Geschäftsbereichs Basis- und Zwischenchemikalien von GC, bezeichnete gebrauchtes Speiseöl als eine Ressource, die mithilfe moderner Technologien wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden könne.
Er erklärte, dass die Co-Processing-Bioraffinerie von GC nicht nur SAF herstellen, sondern auch in den Bereich Bio-Circular Polypropylene (Bio-PP) expandieren könne – ein Material mit Eigenschaften, die mit herkömmlichen Kunststoffen vergleichbar sind. Die möglichen Anwendungen reichen von Lebensmittelbehältern und Windeln bis hin zu Industrieprodukten, wobei künftig auch Recyclingmöglichkeiten bestehen.
Für GC lautet die Botschaft, dass Nachhaltigkeit nicht nur die Verringerung von Emissionen bedeutet. Entscheidend sei auch, Ressourcen effizienter zu nutzen, die Abhängigkeit von erdölbasierten Rohstoffen zu reduzieren und Thailand auf dem Weg zum Ziel der Netto-Null-Emissionen bis 2050 zu unterstützen.

Bangchak erweitert SAF-Produktion mit eigenständiger HEFA-SPK-Produktionsanlage
Nach dem von GC verfolgten Co-Processing-Ansatz hat die Bangchak Group die kommerzielle Produktion von Sustainable Aviation Fuel (SAF) aufgenommen. Grundlage ist Thailands erste eigenständige HEFA-SPK-SAF-Produktionsanlage in der Bangchak-Raffinerie im Bangkoker Stadtteil Phra Khanong.
HEFA-SPK steht für „Hydroprocessed Esters and Fatty Acids Synthetic Paraffinic Kerosene“. Dabei handelt es sich um eine Form von SAF, die aus erneuerbaren Rohstoffen wie gebrauchtem Speiseöl hergestellt wird und weltweit zu den wichtigsten Produktionswegen für eine emissionsärmere Luftfahrt zählt.
Chaiwat Kovavisarach, Group Chief Executive Officer und Präsident der Bangchak Corporation, bezeichnete die SAF-Anlage als ein seit langem erwartetes Projekt, das nun abgeschlossen und in den vollständigen kommerziellen Betrieb überführt worden sei.
Die Anlage wurde als neue Produktionsanlage entwickelt, um internationale Standards zu erfüllen und den zukünftigen Markt für kohlenstoffärmere Flugkraftstoffe zu unterstützen. Sie ist zudem Bestandteil der umfassenderen Netto-Null-Strategie der Bangchak Group.
Neben der SAF-Produktionsanlage baut Bangchak eine Wertschöpfungskette für gebrauchtes Speiseöl auf, die die Sammlung, das Rohstoffmanagement und die Verarbeitung sowohl zu SAF als auch zu erneuerbarem Diesel (Hydrotreated Vegetable Oil, HVO) umfasst.
Das Unternehmen betrachtet diesen Ansatz als Teil einer umfassenderen Initiative zur Stärkung der Energiesicherheit und zur Förderung saubererer Energiequellen.
Die gemeinsamen Maßnahmen von CAAT, GC, Bangchak und thailändischen Fluggesellschaften zeigen, wie sich gebrauchtes Speiseöl von einem Abfallstrom zu einer strategischen Kraftstoffquelle entwickelt. Für Thailand ist SAF nicht mehr nur ein Umweltkonzept. Es entwickelt sich zunehmend zu einer industriellen Chance, die mit der Wettbewerbsfähigkeit der Luftfahrt, saubereren Energiequellen und den langfristigen Zielen zur Erreichung der Netto-Null-Emissionen verbunden ist.